WALA Pflanzenarchiv
Königin der Nacht

Synonyme für Königin der Nacht: Schlangencereus, Schlangenkaktus
Wissenschaftlicher Name: Selenicereus grandiflorus L.
Familie: Cactaceae (Kaktusgewächse)

Beschreibung:

Opernliebhaber kommen sicherlich nicht umhin, bei dem Namen dieser Heilpflanze an Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ zu denken. Die Königin der Nacht ist in diesem Fall aber keine in höchsten Tönen singende Rachekönigin, sondern vielmehr ein Kaktus, der abenteuerlich mithilfe von Luftwurzeln und Kletterdornen an Felsen und Wänden und manchmal an anderen Pflanzen hinaufwächst. Treffen die Luftwurzeln auf Boden, wandeln sie sich in echte Wurzeln um und ermöglichen dem Kaktus, eine eigenständige neue Pflanze zu bilden. Die Dornen, die auf den dünnen, vier- bis achtkantigen, oft schlangenartig wachsenden Ästen entlang der Kanten wachsen, sind übrigens nichts anderes als umgewandelte Blätter. Mit diesem Trick reduzieren Kakteen ihre Oberfläche und damit die Wasserverdunstung, die über Blätter am größten ist.

Doch Kakteen haben nicht nur ihre Blätter extrem reduziert. Auch Seitentriebe sind als solche nicht mehr erkennbar und zu kleinen, filzigen Polstern umgebildet, die direkt auf der Oberfläche der Äste sitzen. Aus diesen so genannten Areolen entwickeln sich die Dornen und große Blüten mit einem Durchmesser von 15 bis 27 Zentimetern, die sehr im Kontrast zur struppigen Kargheit der Königin der Nacht stehen. Außen sind die Blüten braungelb, zur Mitte hin ändert sich die Farbe über hellgelb bis weiß. Wahre Königinnen der Nacht sind diese Blüten. Sie sehen nicht nur imposant aus mit dem Kranz dornenförmiger Blätter, der sie wie eine Strahlengloriole umgibt. Ihren großen Auftritt haben sie zudem nur des Nachts, genauer genommen für eine einzige Nacht, an der sich die Blüte komplett öffnet und einen betörenden Vanilleduft verströmt. Angezogen von dem Duft besuchen die nachtaktiven Fledermäuse die Blüte, um den Nektar zu trinken, und sorgen nebenher für die Bestäubung. Aus den bestäubten Blüten entwickeln sich tomatengroße, rot bis gelblich gefärbte, für den Menschen essbare Früchte, die auch den Fledermäusen gut schmecken.